Hier kann man jung bleiben, wachsen, Wurzeln schlagen und alt werden
„Lasst uns aber feiern heute, mit den Möglich-Machern. Leute, und den Menschen groß und klein, die hier alle zogen ein“: ein schönes Motto für das Einweihungsfest unseres neunten Projektes wagnisSHARE, das am Freitag im Augsburger Sheridanpark begangen wurden. Statt mit einer langen Rede begrüßten die wagnis-Vorstände Rut Gollan, Elisabeth Braun und Christoph Miller (Bild oben, v.l., Foto Frank Schroth) alle Möglichmacher mit einem Loblied und einem dicken Dankeschön für die Unterstützung, mit der das erste wagnis-Projekt außerhalb von München realisiert werden konnte.
Zum ersten Mal hat die Stadt Augsburg im Sheridanpark ein Konzeptvergabeverfahren durchgeführt. 2. Bürgermeister Dirk Wurm überbrachte mit den Stadträt*innen Martina Wild, Christl Kamm und Gregor Lang die Grüße der Stadt und hob die große Leistung der Baugruppe hervor. Er hoffe, dass das Zusammenleben auch auf lange Sicht funktioniere, und kündigte mit einem Augenzwinkern an, in zehn Jahren wieder vorbeizukommen und nachzufragen, ob noch alle dabei sind.
Der Bau von bezahlbaren Wohnungen sei eine Grundlage für eine funktionierende Demokratie, betonte der SPD-Politiker. Im Moment sei es sehr schwierig, EOF-Mittel vom Freistaat für geförderte Wohnungen zu bekommen, deshalb werde die Stadt Augsburg ein eigenes Konzept vorlegen, um aus dieser Förderfalle herauszukommen.
Zum neuen Projekt, bestehend aus drei Häusern mit 46 Wohnungen, gratulierten auch Clemens Nuyken und Benjamin Jaschke vom Architekturbüro N-V-O Architekten, Marie Baldenweck vom Landschaftsarchitekturbüro bauchplan und Helmut Spiehs von der Holzsystembaufirma b_solution. Die künftigen Nachbar*innen, nämlich Hilde Strobl von der Wogenau und Vertreter der Baugemeinschaft Sheridanpark-Junia, freuten sich auf gemeinsame Aktionen. Unter den Gästen waren außerdem noch Sabine Haller und Rene Ammann vom Stadtplanungsamt Augsburg, Benedikt Altrogge von der GLS-Bank, Birgit Eckert-Gmell von der Igewo, Thomas Körner-Wilsdorf vom Verein Tür an Tür und Martin Ottensmann vom wagnis-Aufsichtsrat.
„Ihr seid hier nicht nur eingezogen, sondern ihr seid schon angekommen“, sagte Vorständin Rut Gollan an die Adresse der rund 100 Bewohner*innen. Die hatten für die Festvorbereitung viel Zeit und Mühe investiert und ihre Gäste mit liebevoll dekorierten Tischen, bester Verpflegung (so stand ein Feuerwehrauto, das zum Foodtruck für Pizza umfunktioniert wurde, bereit) und Rundum-Versorgung mit kühlen Getränken willkommen geheißen.
Im Namen der Bewohner*innen bedankte sich Markus Messerschmidt bei allen Projektbeteiligten. Er sprach von einem besonderen Jubiläum, denn inzwischen seien sie nicht nur rund 100 Tage im Sheridanpark, sondern hätten auch die Zahl von rund 100 Bewohner*innen erreicht, wobei zwei davon noch nicht auf der Welt sind. Im Begriff wagnisSHARE stecke nicht nur das Wortspiel mit dem Sheridanpark, sondern viel mehr: so sei es für viele ein Wagnis gewesen, einzuziehen, miteinander zusammenzuleben, demokratische Entscheidungsprozesse hinzukriegen und Konflikte zu lösen. Der Begriff SHARE werde nun gelebt, geteilt werden Wohnfläche, Garten und Gemeinschaftsräume, darüber hinaus Fahrräder, Maschinen und Autos; und nicht zu vergessen auch Ideen, Talente und Fähigkeiten. Und das funktioniere viel besser als erwartet. „Ich bin als Optimist gestartet und bin nach 100 Tagen begeistert“, sagte Markus Messerschmidt. „Hier kann man jung bleiben, wachsen, Wurzeln schlagen und alt werden, und das alles gleichzeitig.“
Bei Führungen durch das Projekt konnten sich die Besucher*innen selbst ein Bild machen von den hellen Wohnungen mit Blick auf den Sheridanpark und der gemütlichen Atmosphäre in den Holzmassivhäusern. Bei sommerlichen Temperaturen wurde bis weit in die Nacht hinein zur Musik der OJam-Band ausgiebig getanzt und gefeiert.
Fotos (Bilder Frank Schroth): v.l.: wagnis-Vorständin Rut Gollan begrüßte 2. Bürgermeister Dirk Wurm. Im Innenhof herrschte Sommerfest-Atmosphäre. Bei Führungen konnten sich die Besucher*innen ein Bild von der wohnlichen Atmosphäre in den Massivholz-Häusern machen.